Amokläufe, Terror in Europa. Die Welt ist schlimm genug. Ich kann dazu nicht viel sagen,
Föderl-S. hat es kompakt zusammengefasst.
All das bringt aber etwas anderes wieder:
Die Killerspielebatte.
Erfurt
(2002), Emsdetten (2006), Winnenden (2009). Drei Amokläufe junger
Menschen erschütterten im vergangenen Jahrzehnt die deutsche
Öffentlichkeit.
Und jetzt vor kurzem wieder.
derstandard.at/2000041748348/Amoklauf-in-Muenchen-Die-Killerspiel-Debatte-kehrt-zurueck
Bis
heute fehlt es an klaren Nachweisen, dass Spiele mit Gewaltinhalten
direkt in Zusammenhang mit realer, physischer Gewalt stehen. Schon kurz
nach der Bluttat in Erfurt hatte die deutsche Bundesprüfstelle für
jugendgefährdende Schriften "Counter-Strike" unter die Lupe genommen.
Der Befund: Das Spiel besitze keinen "Gefährdungsgrad", der eine
Indizierung – und damit ein Verbot des offenen Verkaufs – rechtfertige.
Man solle den Titel aber nicht Unter-16-jährigen zugänglich machen, was
ohnehin der bisherigen Einstufung entsprach. Seitdem sind auch
zahlreiche Studien erschienen. Die Ergebnisse sind breit gefächert. Eine
der wenigen Langzeitstudien stammt von der Universität Bielefeld. Sie
basiert auf Befragungen, die seit über 15 Jahren durchgeführt werden,
berichtet die Süddeutsche Zeitung. Bislang konnte man keine "direkte
Verstärkung der Gewaltdelinquenz" feststellen, wohl aber eine
"Verstärkung von Einstellungen, die gewalttätiges Verhalten
befürworten." Eine Meta-Studie, also eine Untersuchung, die andere
Studien auswertet, erbrachte keine eindeutigen Ergebnisse.
Trotzdem
hat der deutsche Innenminister Thomas de Maizière infolge der
Ereignisse in München Videospielen eine Mitverantwortung unterstellt
Ein
Argument dafür, warum eine Debatte durchaus angebracht ist, liefert ein
Kommentar beim "Spiegel", inklusive Forderung nach einer sachlichen
Debatte. Man müsse darüber nachdenken, die Spielergemeinden mit
Mitgliedern umgehen, die offenkundig schwere Probleme haben. Der
Münchner Attentäter soll laut Aussagen ehemaliger Mitspieler in
"Counter-Strike" unter Pseudonymen wie "Amoklauf" und "Hass" unterwegs
gewesen, den Amokläufer von Winnenden gelobt und Hassbotschaften gegen
Türken verbreitet haben.
http://futurezone.at/meinung/bitte-kein ... 11.760.762
Darüber
wurde bereits 2009 nahezu alles gesagt und geschrieben und geforscht,
was man dazu sagen, schreiben und forschen kann. "Kein vernünftiger
Wissenschaftler kann das mit einer solchen Sicherheit behaupten. Und
wenn das kein Wissenschaftler kann, dann kann das auch kein Minister",
sagte dazu etwa der Medieninformatiker Maic Masuch gegenüber der
„Süddeutschen“.
Genauso
wenig sollte verschwiegen werden, dass sich manche Amokläufer in der
Vergangenheit tatsächlich mit Computerspielen auf ihre Taten vorbereitet
haben, in dem sie etwa Gebäudepläne in Spiele kopiert haben, um sich
für den „Ernstfall“ vorzubereiten. Hierzu bleibt aber zu sagen: Der
Ego-Shooter war selbst dann niemals die Ursache für die Tat.
De
Maiziere macht es sich daher äußerst einfach mit seinen Anschuldigungen.
Derartige Aussagen sind nichts mehr als ein populistischer
Schnellschuss, um etwas – wie den Computerspielen oder dem Internet
(schließlich wurde auch die Tatwaffe im Darknet gekauft) - die Schuld
für die grausame Tat zuzuschieben. Gegenüber dem ZDF forderte der
Bundesminister nämlich auch gleich, "Anonymität im Netz" verbieten zu
wollen.
http://futurezone.at/digital-life/die-i ... 11.800.693
"Der
Konsum von Gewaltmedien führt erwartungsgemäß zu keiner direkten
Verstärkung der Gewaltdelinquenz, allerdings zu einer Verstärkung von
Einstellungen, die gewalttätiges Verhalten befürworten." Das stellt eine
Langzeitstudie der Universität Bielefeld fest, die in Deutschland seit
über 15 Jahren Jugendliche zum Thema Gewalt befragt.
Zu einer
ganz ähnlichen Erkenntnis kam die Kriminologin Britta Bannenberg nachdem
sie in Deutschland 75 Amokläufe untersucht hatte. Auf die Frage, ob
Gewaltspiele eine Ursache für die gesellschaftliche Verrohung seien,
sagte sie erst kürzlich in einem Interview mit der Neue Zürcher Zeitung:
"Ego-Shooter sind nicht die Ursache. Die Idee für einen Amoklauf kommt
nicht beim Spielen. Es ist umgekehrt.“
Der norwegische
Massenmörder Anders Behring Breivik, der auch dem Schützen von München
als Vorbild diente, habe etwa derartige Spiele dazu genutzt, um sich
daran zu gewöhnen, wenn Blut fließt und Körper zerfetzt werden. Die
Amokläufer würden versuchen sich mithilfe von sogenannten Killerspielen
zu stählen und vorzubereiten, sagt Bannenberg.
"Es
kommt ja nicht von ungefähr, dass beim Militär derartige Video-Spiele
zu Trainingszwecken eingesetzt werden" sagt auch Brigitte Rollett,
emeritierte Professorin der Universität Wien, deren Arbeitsbereich
Entwicklungspsychologie ist gegenüber der futurezone. "Fakt ist: Jedes
Kinderspielzeug und jedes Computerspiel, das mit Kampf und Gewalt zu tun
hat, senkt natürlich die Schwelle, in diese Richtung etwas zu
unternehmen."
Dennoch: "Es sind bei weitem nicht alle Spieler
gefährdet. Entscheidend ist, dass Eltern ihre Kinder nicht sich selbst
überlassen." Eltern sollten sich für die virtuelle Welt ihrer Kinder
interessieren, damit sie angemessen darauf reagieren und gemeinsam
kritisch reflektieren können.
Wenn
schon über Mediengewalt als möglicher Auslöser für derartige
Gewalttaten diskutiert wird, könne man auch eine fast schon provokante
und medial kaum wahrgenommene These erwähnen, sagt Medienwissenschafter
Ramón Reichert im Gespräch mit der futurezone. Demnach könne man auch
behaupten, sogenannte Killerspiele könnten eine Art Boxsack darstellen,
der dazu dient, bereits vorhandene Gewaltfantasien zu kanalisieren.
Nicht
außer Acht lassen dürfe man in diesem Zusammenhang auch andere mediale
Phänomene, so Reichert; etwa die aktive Beteiligung der Massenmedien.
"Hinter der sensationsheischenden Verbreitung von Inhalten, unter
anderen auch gewaltvollen Inhalten, stehen auch klare kommerzielle
Interessen."
Man müsse sich die Frage stellen, ob und in welcher
Weise die Berichterstattung zur Heroisierung der Täter beiträgt. "Um
einer Selbstradikalisierung etwas entgegen zu halten, könnte es
eventuell hilfreich sein, den Attentätern und Amokläufern keine
derartige Plattform zu bieten", regt Reichert an. Denn Aufmerksamkeit
auf sich zu lenken sei vielfach deren letzter Wunsch. Vielleicht solle
man versuchen, im medialen Spiel um Aufmerksamkeit den Tätern nicht auch
noch entgegenzukommen, indem man sie ins Rampenlicht stellt", sagt
Reichert.
Zumindest das internetaffine Publikum stimmt Maizere nicht zu, aber das hat er wohl auch nicht erwartet:
Buntstift im Standardforum wrote:Diskutiert
über Mobbing, Psychische Betreuung, den Zugang zu Waffen, misslungene
oder bewusst vermiedene Integration, aber diskutiert nicht über
Killerspiele. Da wird bewusst Verantwortung an etwas virtuelles, schwer
kontrollierbares abgeschoben um sich den wahren Problemen zu entziehen.
Jan Böhmermann auf Twitter wrote:Wie kommt ein 18jähriger in Deutschland an eine Pistole und 300 Schuss Munition? Hat er bestimmt in einem Killerspiel gekauft
Makro 24/7 im Standardforum wrote:Solche
Debatten werden aber nur von Leuten gestartet, ...... die auch noch
glauben, mit der Ansiedlung von Störchen könnte man die Geburtenrate der
Bevölkerung anheben.
in
Kooperation mit
kortz.at